Warum nennt Ihr Euch "Die Guete", seid ihr etwa
Christen?
Diese ganzen Rock ´n´ Roll-Posen gehen uns auf den
Sack. Das haben wir selbst lange genug mitgemacht. Wir wollten
einen Namen, der unspektakulär ist und den Leuten nicht
zuviel abverlangt. Und da kam Jochen halt auf "Güte".
Später dann ersetzte das ue das ü. Ersatzhandlungen
prägen unser Leben.
Apropos: Was genau ist Lurex-Pop?

Gegenfrage: Was haben die Leute gegen Lurex-Pop? Wir wurden nie
in unserer Karriere so beschimpft wie nach unserem
legendären Lurex-Turn Ende 1997. Alte Glanz- und
Glitter-Pullunder sind
nun mal nicht das, was man von jungen (das waren wir damals!)
Intellektuellen erwartet. Na ja. Die Folgen kannst Du ja bewundern. Ob wir es heute noch einmal tun würden? Schwer zu
sagen...
Schwer zu GLAUBEN, ist das, was kürzlich in der Zeitung
stand. Was ist dran an den üblen Gerüchten: Ihr singt
auf Eurer Studio-CD gar nicht selbst?
(Jens:) Das zu lesen tat schon weh. Aber mit der Zeit
arrangiert man sich mit den, na, nennen wir es mal
"Ausschmückungen" so genannter "Kulturredakteure". Und
schließlich: Immer noch besser als keine Presse (lacht).
(Jochen:) Ehrlich gesagt war ich es, der die Info einem
kleinen Rolling-Stone-Reporter gesteckt hat. Im Suff, glaube ich,
sicher im Scherz und auf jeden Fall vertraulich. In der
nächsten Ausgabe hatten wir es dann schwarz auf weiß
im Heft. Ekelhaft.
Schönes Stichwort. Seid Ihr eigentlich noch zu
haben?
Hey, das scheint ja ein lustiges Interview zu werden. Aber im
Ernst: Deine Frage kommt ein paar Jahre zu spät. Wir sind
längst vergeben - manchmal sogar vergessen.
Was treibt Ihr, wenn Ihr mal nicht mit Musik beschäftigt
seid?
Wir sind beide Teil des immer umfangreicher werdenden
Texterproletariats in Mitteleuropa. Faul, auf der Suche nach
einer Lebensaufgabe. Zumindest einer beruflichen. Denn, wie
bereits angedeutet, geht Dich unser Privatleben erst einmal einen
feuchten Scheißdreck an. Absolut tabu. Absolut. Irgendwie
ist es schon schlimm genug, dass man als Texter eh schon
semantisches Freiwild darstellt. PISA zum Trotz: Jeder
Hauptschüler versteht doch heute was von Dekonstruktion und
Psychoanalyse. Freud für das Volk, sozusagen. Deshalb jetzt
und für die Zukunft: Ganz so leicht wollen wir es Euch nicht
machen.
Ihr seht live einfach phantastisch aus. Wie bringt Ihr Euch in
Form?
Es ist kein Geheimnis, dass sich Männer über
Dreißig in Form halten müssen. Wir absolvieren jeden
Morgen ein 30-minütiges Trainingsprogramm mit allem, was
dazu gehört: Side-to-Side-Crunch, Total-Tummy-Tightener und
auch etwas Krafttraining mit Langhanteln. Die Guete hat den
Speckfalten den Kampf angesagt! Und Marathon. Wenn's der
Terminkalender erlaubt.
Wenn Ihr auf die letzten neun Jahre zurückblickt, was
war Euer schlechtestes Konzert?

Schwer zu sagen. Es gab einfach zu viele davon. Ich würde
sagen, das "Soundcheck" in Bredehorn war der Höhepunkt. Es
waren 12 Leute im Publikum. Wir mussten die Getränke selbst bezahlen. Immerhin stimmte das Ambiente. Und wir haben
einige Passagen aus der Weltliteratur zitiert. Ich
glaube sogar, es war Ostern und wir haben aus Lukas 2 gelesen. Das Auditorium raste.
Was habt Ihr eigentlich gegen die private
Automobilisierung?
Jens: Wir befinden uns in Hamburg! Diese ***
Autofahrerstadt! Ich möchte da mit Max Goldt mal sagen:
Neben dem Holocaust und der Atombombe ist die private
Automobilisierung die dritte folgenschwere Fehlentwicklung des
20. Jahrhunderts. Die Guete lehnt Autos ab. Ich persönlich
habe keins und Jochen nutzt seines ausschließlich für
Gigs!
Jochen: Falsch! Ich nutze es außerdem zum
Shoppen und für Fahrten ins Blaue.
Habt Ihr im wirklichen Leben jemals so romantische Dinge
getan wie in Euren Songs?
Aber sicher, damals am Tillysee... ich kann Dir sagen! Aber da
halte ich es mit dem Motto: Der Gentleman schweigt und...
Was soll einmal auf Euren Grabsteinen stehen?
Jochen: Mein Name. Und "Das war alles?".
Jens: So
eine schöne Figur mit Flügeln dran, fände ich
angemessen... wie heißen die noch mal... verdammt, ich
konnte nicht drauf. Na, auch egal.